Warum Plastik fasten? Plastikmüll

Mit diesem Post möchte ich eine kleine Artikel-Reihe starten, in der ich näher auf die verschiedenen Gründe eingehe, warum ich mich dieses Jahr dazu entschieden habe  Plastik zu fasten.

Mein persönlicher Anstoß ist wohl auch gleichzeitig der offensichtlichste Grund. Seit ich vor fast 4 Jahren von zu Hause ausgezogen bin, habe ich mich jedes Mal erschrocken, wenn mein Plastikmüll schon wieder voll war. In meinem gelben Sack befanden sich hauptsächlich: Joghurt-Becher (VIELE Joghurtbecher), Konservendosen, Plastikfolien und -tüten von Obst oder Gemüseverpackungen, diverse Plastikverpackungen von Müsli, Nüssen, Trockenfrüchten oder Käse, Kaffee-Pads, Milchtüten, Alu- und Frischhaltefolie. Ab und zu kam Creme-, Duschgel-, Shampoo- oder andere Pflegeproduktbehälter, sowie diverses Verpackungsmaterial von Bestellungen, wie z.B. Luftpolsterfolie hinzu. Auch wenn ich wahrscheinlich einen recht durchschnittlichen Plastikverbrauch hatte, kam mir das tierisch viel vor, besonders wenn ich mir vorstellte, dass JEDER Mensch Plastik konsumiert und wegwirft. Überall auf dieser Welt begegnet einem Plastik, mal im oder neben dem Mülleimer…

RHODOS STADT

Müll auf Rhodos…

MD RiS

…in Paris…

MARSEILLE

…in Marseille…

VIENNE

…und in Vienne (Frankreich).


Plastik-Entsorgung in Deutschland
Doch was passiert mit dem ganzen Plastik, nachdem wir uns davon „befreit“ haben?Allgemein muss man natürlich sagen, dass die Kunststoff-Entsorgung in jedem Land anders aussieht. Es gibt ja alleine schon sehr unterschiedliche Mülltrennungssysteme oder auch Länder, in denen es das gar nicht gibt und noch nicht mal allgemein eine vernünftige Müll-Entsorgung gewährleistet ist. Die Verwertungsquote in Deutschland ist sehr hoch: Laut Umweltbundesamt wurden 2013 in Deutschland 99% der Kunststoffabfälle verwertet.
Kunststoffe werden
– werk- und rohstofflich genutzt (d.h. der Kunststoff wurde in seine Bestandteile aufgespalten)
– in Müllverbrennungsanlagen energetisch genutzt
– auf Deponien gelagert
Allerdings wird allgemein viiiiiiiel weniger Plastikmüll aus unseren privaten Haushalten recycelt, als aus dem gewerblichen Gebrauch, da dieser oftmals verschmutzter ist und verschiedene Kunststoffe vermischt werden, wodurch die Qualität herabgesetzt werden würde. Deshalb wurde z.B. auch der Recycling-Code eingeführt (siehe vorheriger Blogpost). Natürlich sind diese ganzen Verwertungsverfahren trotz hoher Verwertungsquote auch ziemliche Umweltsünder. Trotzdem landet auch immer mehr Plastikmüll in der Natur und stellt schon heute eine große Umweltbelastung dar.

Plastik ist überall…
…nicht nur angeschwemmt oder feingemahlen als „Sandkörner“ zwischen den Zehen an „Paradiesstränden“, sondern auch im Gebüsch und auf der Wiese vor unserer Haustür.

MD

Wir haben unseren Müll natürlich wieder mitgenommen! 😉

…im Meer.
„Insgesamt 80 Prozent des Kunststoffmülls, die UNO spricht von weltweit jährlich rund 6 Millionen Tonnen, gelangen über Flüsse in die Ozeane.“ (Quelle: http://www.plastic-planet.de/hintergrund_plastikalsproblem.html) Nicht nur große Teile schwimmen in unseren Ozeanen herum und bilden gigantische Plastikstrudel, sondern auch Mikroplastik stellt ein riesiges Problem dar. Mikroplastik sind kleine Plastikteilchen, die z.B. von Kosmetika oder Kunststofffasern aus Kleidung, die sich beim Waschen herauslösen, stammen. Sicherlich habt ihr schon einmal von den gigantischen Plastikstrudeln gehört, der bekannteste unter ihnen ist der Great Pacific Garage Patch im Nordpazifik zwischen Nordamerika und Asien. Insgesamt gibt es fünf solcher Müllstrudel. Man darf sich das ganze anscheinend nicht wie ein riesiger schwimmender Müllteppich vorstellen. Denn da sich das meiste unter der Wasseroberfläche befindet, ist der Müll von oben nicht zu sehen.

…in den Fischen.
Mikroplastik und Plastik-Kleinteile sind besonders gefährlich für Fische, da sie diese wie Plankton aufnehmen. Fische und auch andere Tiere, wie z.B. Seevögel können durch Plastik im Bauch elendig verenden. In dem Film „Plastic Planet„, den ich jedem nur ans Herz legen kann, wird außerdem darüber berichtet, dass es immer mehr Intersex-Fische gibt. Das liegt z.B. am gelösten Bisphenol-A, da es eine ähnliche Wirkung wie das weibliche Hormon Östrogen hat (BPA hat bei Experimenten auch weiblichen Schnecken mit Penissen ausgestattet). Wer schonmal etwas über die Nahrungskette gehört hat und wenn die Tiere nicht vorher daran sterben, kann sich vorstellen, wo das Plastik letztendlich landet. Richtig:

…in uns Menschen.
Wenn wir z.B. Fisch essen, nehmen wir das Plastik wieder in uns auf. Guten Appetit, wohl bekomm’s, lasst’s euch schmecken bei eurer nächsten Fischmahlzeit! 😉

Was tun?
Zunächst einmal weiteren Plastikmüll vermeiden, der in die Meere gelangen kann! 😉 Es gibt auch einige tolle Projekte, die sich diesem Umweltproblem angenommen haben. Beispielsweise bietet Ecover ein Handspülmittel an, dass „immerhin“ zu 10% aus Ocean Plastic und zu 90% aus recyceltem Plastik besteht. Auf der Ecover-Homepage findet man noch mehr zu dem Projekt und auch eine kurze Doku zu diesem Thema.
Das Projekt „The Ocean Cleanup“ wurde von dem 21-Jährigen Boyan Slat (Also keine Ausreden mehr, man sei zu jung um was zu verändern und die Welt zu retten!!!) ins Leben gerufen. Er hat eine Technologie entwickelt, die hoffentlich ab 2020 dem Great Pacific Garage Patch auf die Pelle rückt. Innerhalb von schon 10 Jahren soll so die Hälfte des Müllstrudels entfernt worden sein! I’ll definitely stay tuned!

Quellen und weiterführende Infos zum Plastikmeer:
http://www.plasticgarbageproject.org/de/plastikmuell/probleme/plastikmuellstrudel/
http://www.bund.net/themen_und_projekte/meeresschutz/belastungen/muell/
http://globalmagazin.com/themen/natur/weltkarten-verteilung-des-plastikmuells-im-meer/
http://www.wwf.de/themen-projekte/meere-kuesten/unsere-ozeane-versinken-im-plastikmuell/
http://www.plastic-planet.de/hintergrund_plastikalsproblem.html
https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/meere/muellkippe-meer/16805.html

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Was ist eigentlich dieses Plastik?

Vorweg: Ich bin keine Chemie-Expertin und habe Chemie in der Schule mit Freude nach der 10. Klasse abgewählt. Ich habe mich einfach anhand mehrere Quellen informiert und versuche deshalb, die Informationen so runtergebrochen wiederzugeben, dass jede und jeder sie verstehen kann. Seht mir also nach, wenn ich hier nicht irgendwelche komplizierten chemischen Vorgänge in Fachbegriffen erkläre (was ich eh gar nicht könnte). Wer also als totaler Chemie-Crack sehr gravierende Fehler in meinen Ausführungen feststellt, der kann mich gerne in den Kommentaren freundlich darauf hinweisen, dann werde ich diesen Post entsprechend ändern…

Was ist eigentlich dieses Plastik!?
Der Begriff „Plastik“ (oder auch „Plaste“ in den östlichen Gebieten Deutschlands 😉 ) ist zunächst ein Obergriff für viele verschiedene Kunststoffarten. Diese wissenschaftliche Bezeichnung verweist schon darauf, dass dieser Stoff „künstlich“ ist und nicht in der Natur vorkommt. Für sogenannte synthetische Kunststoffe ist Erdöl (nicht umsonst auch „schwarzes Gold“ genannt, ist schließlich auch eine knappe Ressource, die irgendwann zur Neige geht) der Ausgangsstoff, dem noch diverse Zusatzstoffe, wie Flammschutzmittel oder Weichmacher (klingt nicht nur eklig, ist es auch!) hinzugefügt werden. Diese verleihen dem Kunststoff die gewünschten Eigenschaften, wie z.B. Hitzebeständigkeit oder Biegsamkeit. Je nachdem ob man eben eine harte Tupperdose oder Frischhaltefolie herstellen möchte. Diese Zusatzstoffe sind in ihrer Reinform oft sehr giftig, sind aber ungefährlich, solange sie im Kunststoff gebunden sind. Zunächst entsteht dann ein Kunststoff-Granulat, dass von der Chemie-Industrie dann an die Verarbeitungsfirmen geliefert wird, wo dann aus dem Granulat durch verschiedene Verfahren die unterschiedlichsten Dinge entstehen können.

Der Recycling-Code
Vielleicht habt ihr euch schon immer mal gefragt, was dieses Dreieck mit den Pfeilen und der Zahl bedeutet, das man auf vielen Plastik-Verpackungen findet? Auf den meisten Kunststoffen kann man diesen Recycling-Code finden und daran erkennen um welchen Kunststoff es sich handelt.

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Die Recyclingcodes findet man z.B. unter einer Aufbewahrungsbox…

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…und auch unter Joghurtbechern.

Die Zahlen bzw. Buchstabenkombinationen stehen für verschiedene Kunststoffe. PP weist auf Polypropylen hin, Recyclingcode 6 oder PS auf Polystyrol. Eine genaue Auflistung der verschiedenen Abkürzungen und Codes, sowie der Stoffeigenschaften und eventuelle Entsorgungsschwierigkeiten findet man z.B. auf der Homepage der Verbraucherzentrale oder vom BUND. Die Recyclingcodes gibt es übrigens nicht nur für Kunststoffe, sondern auch für beispielsweise Glas oder Pappe.

Vorteile!?
Bei all der Plastik-Negativität darf man allerdings nicht vergessen, dass Kunststoff einige Vorteile bietet und die Entwicklung unseres technischen Fortschritts erheblich voran gebracht hat. Autos würden ohne Kunststoffe beispielsweise viel schwerer sein und dementsprechend mehr Kraftstoff verbrauchen. Allgemein ist das Argument des Gewichts im Moment bestimmt das überzeugendste für viele Menschen. Wer schleppt sich schon gern mit Glasgefäßen und Glasflasche ab, wenn man das ganze auch leichter haben kann? Hoffentlich mehr als ich mir im Moment vorstellen kann. 😉

Warum Plastik fasten?
Die Antwort scheint auf der Hand zu liegen: Weil Plastik schlecht/böse/auf jeden Fall nicht gut ist! Jaaaaa, eifriges Kopfnicken meinerseits. Aber was genau ist denn schlecht/böse/auf jeden Fall nicht gut daran? Meine Antwort würde den Rahmen eines einzigen Blogposts auf jeden Fall sprengen, deshalb eröffne ich hiermit eine kleine Artikel-Reihe zum Thema „Warum eigentlich Plastik fasten?“ in der ich meine Gründe für das #Plastikfasten erläutere. 🙂