Plastikfreie Haarwäsche

Achtung! Dieser Beitrag kann Spuren von Schuppen, Juckreiz und Fett enthalten. Bei schwachem Gemüt, habt ihr jetzt noch die Chance schnell wegzuklicken! 😉 

Schon seit längerer Zeit bin ich unzufrieden mit meinen Shampoos gewesen. Genau genommen SEHR unzufrieden. Seit 5 Jahren muss ich meine Shampoos sowieso regelmäßig wechseln, weil meine Haare nach zu langer Benutzung von ein und demselben Produkt mit schnellem Fetten, Schuppen oder Elektrisieren reagieren. Die letzten zwei Jahre haben sich meine Haare mit dem Every-Day-Shampoo von Sebamed relativ wohl gefühlt. „Every day“ hab ich mir zwar nicht die Haare gewaschen, aber ca. alle 2-3 Tage. Laut Verpackung ist das Shampoo seifen-und alkalifrei, „besonders mild durch Zuckertensid“, pH-hautneutral und kommt ohne Farbstoffe und Silikone aus. Aha. Klingt ja toll. Natürlich und mild, super! Von richtiger Haarpflege hatte ich ansonsten aber keine Ahnung. Ich wusste nur, dass Silikone schlecht sind.

Warum sind Silikone böse?
Silikone sind inzwischen schon länger verpönt und es gibt nun eine Bandbreite an Naturkosmetika, die ohne sie auskommen. Silikone legen sich wie eine feste Schicht um die Haare, „versiegeln“ Haare und Kopfhaut regelrecht, sodass sie zunächst glatt und gesund wirken. Doch sie sind z.T. nicht wasserlöslich, bleiben im Haar und beschweren es mit der Zeit zunehmend. Silikone können also nicht ausgewaschen werden. Deshalb kann es mehrere Wochen dauern, bis das Haar sich von ihnen befreit hat. In der Zeit können die Haare schwer und spröde wirken. Das habe auch ich bei der Umstellung von herkömmlichen Shampoos auf Sebamed festgestellt. Wenn diese Zeit vorüber ist, dann glänzen die Haare aber auch wieder wie vorher und fühlen sich viel leichter und gesünder an! (Mehr Infos findet ihr  z.B. unter http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=104008&bernr=10)

Im Chemie-Dschungel und die Sache mit dem pH-Wert
Ich gebe zu, dass ich durch die vielen Bezeichnungen der Inhaltsstoffe ziemlich verloren war und es auch immer noch bin. So habe ich z.B. rausgefunden, dass Propylene Glycol, was in meinem Sabamed-Shampoo enthalten war, als Feuchthaltemittel eingesetzt wird und ein Erdöl-Derivat ist. Dies kann allergische Reaktionen hervorrufen und die Kopfhaut für Giftstoffe durchlässig machen. Eine weitere Auflistung der ganzen chemischen Bezeichnungen spare ich euch an dieser Stelle. Aber man kann schon sagen, dass Sebamed deutlich gesundheitsfreundlicher ist als andere Shampoos, da u.a. auch der hautfreundliche Konservierungsstoff Phenoxyethanol verwendet wird anstatt Natriumazid beispielsweise.
Unsere Haut und damit auch die Kopfhaut hat einen pH-Wert von ca. 5,5 und ist damit leicht sauer. Das Sebamed-Shampoo liegt  z.B. genau bei 5,5 und ist damit „haar- und hautneutral“ und schützt den natürlichen Säureschutzmantel. Ein weiterer Pluspunkt für mein Shampoo, das half mir allerdings nicht weiter, denn nach 2 Jahren Ruhe dank Sebamed fingen meine Haare und meine Kopfhaut erneut an, sich zu „beschweren“. Ich war ratlos. Meine Haare wurden wieder super schnell fettig, Schuppen konnte ich zwar mit abwechselndem Anwenden vom Sebamed Every-Day-Shampoo und dem Schuppen-Shampoo ein wenig eindämmen. Effektiv ist jedoch was Anderes. Daraufhin suchte ich nach weiteren Alternativen und landete bei…

…no poo? Keine Scheiße?
Kein Scheiß! (Ok, schluss mit den schlechten Wortspielen, zurück zum Ernst der Haarpflege 😉 ) Ich dachte mir, schlimmer geht nimmer. Anstatt meine Haare mit natürlicheren aber dennoch chemischen Mittelchen zuzuballern, wasche ich eben nur noch mit Wasser! Müssen die Menschen früher ja schließlich auch hinbekommen haben. Dank verschiedener Erfahrungsberichte auf Blogs oder YouTube, wusste ich ungefähr auf was ich mich einließ. Vier Wochen lang trug ich nur noch Pferdeschwanz oder Dutt, da mein Ansatz schon sehr fettig war, sodass offene Haare keinem zumutbar waren. Haarkämmen habe ich vorher immer als lästig empfunden. Nun begann ich allerdings morgens und abends meine Haare und insbesondere meine Kopfhaut kräftig zu bürsten (100 Bürstenstriche am Tag und so, haha!), in der Hoffnung einen Teil der Schuppen so rauskämmen zu können. Wirklich viel schlimmer sind die Schuppen in der Zeit nicht geworden. Ein von manchen als unerträglich beschriebener Juckreiz blieb bei mir zum Glück aus. Doch mit jeder Woche, wurden meine Haare weniger schnell fettig, sodass ich das nächste Waschen 4-5 Tage hinauszögern konnte. Lediglich eine hartnäckige Stelle am Hinterkopf wollte und wollte sich nicht entfetten lassen. So griff ich nach fünf Wochen „Water only“ und in der ersten Wochen meines Plastikfastens zu PLASTIKFREIEN Alternativen: Natron und Apfelessig! Klingt eklig? Ist es nicht! Kein Scheiß! (No poo! :D)

Ein plastikfreies Shampoo-Rezept mit Apfelessig-Spülung
Dafür nimmt man einfach 1 EL Natron mit 1 EL Wasser. Verrührt beides zu einer Paste, massiert es auf der Kopfhaut ein und lässt es ein wenig einziehen.  Das fühlt sich vielleicht merkwürdig an! Total trocken und irgendwie fast staubig! 😀 Nach dem Ausspülen wurde das Gefühl auch nicht wirklich besser, kein Wunder, denn Natron ist ja ein Salz (da war der Chemieunterricht doch mal nützlich), damit stark alkalisch und löst Schmutz und Fett aus den Haaren . Wenn ihr euch noch an den Anfang des Posts erinnern könnt, dann wisst ihr ja, dass unsere Haut eher sauer ist (pH 5,5). Deshalb muss man nach diese Natron-Wäsche eine saure Rinse, quasi als „Spülung“ machen. Ich habe dafür 1 Liter Wasser mit 1 EL Bio-Apfelessig gemischt und damit meine Haare gespült. Danach soll man die Haare nicht nochmal mit klarem Wasser nachwaschen, auch wenn man das Bedürfnis hat aufgrund des Essig-Geruchs. Keine, Sorge! Der verfliegt ganz schnell von alleine, spätestens nach dem Föhnen.

Was soll ich sagen? Ich bin schwer begeistert. Alle Schuppen, wirklich ALLE waren weg! Meine Haare fühlten sich viel weicher und luftiger an. Keine Spur vom fettigen Ansatz war mehr zu sehen. Offene Haare fühlen sich toll an! Erst nach 4 Tagen musste ich mir die Haare wieder waschen, weil sie leicht fettig waren und die Schuppen wiedergekommen sind. Ich habe allerdings dafür erstmal wieder nur Wasser benutzt. Mal schauen, wie oft ich die Natron-Essig-Wäsche mache.
Ein weiterer Pluspunkt für diese Art der Haarwäsche ist auch der Kostenfaktor! Der Apfelessig hat mich ca. 1,50€ gekostet und ein Päckchen Natron kostet auch nicht die Welt. Billiger also als jedes Naturkosmetik-Bio-Shampoo oder die klassischen Silikonbomben! Ganz zu schweigen von den unzähligen Zusatzpflegeprodukte wie Spülung, Conditioner, etc…

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Plastikfreie Zahnpflege

Der Titel lässt es erahnen, natürlich kommt auch unsere alltägliche, mehrmalige Zahnpflege nicht ohne Plastik aus. Zahnpastatuben, Zahnbürsten, Putzbecher. Alles aus Plastik! Unsere Vorfahren kamen natürlich ganz ohne Zahnbürsten aus. Das heißt aber noch lange nicht, dass wir das heutzutage auch noch können, denn unsere Nahrung ist inzwischen viel zucker- und säurehaltiger und das macht Zahnpflege somit nötig.

Welche plastikfreien Alternativen gibt es also?
Nach einigen Recherchen bin ich auf verschiedene Anbieter von Bambus-Zahnbürsten gekommen. Bambus ist ein schnell wachsender Rohstoff, der biologisch abbaubar ist. Das wasserliebende Hamburger Unternehmen HYDROPHIL stellt Bambus-Zahnbürsten mit Nylon-Borsten her. Also nur der Stiel ist zu 100% kompostierbar. Allerdings sind die Borsten BPA-frei. BPA oder Bisphenol A ist ein Hormon, dass zur Herstellung von Kunststoff benötigt wird und in vielen Alltagsgegenständen zu finden ist. BPA kann sich aus Produkten lösen und schon in winzigen Mengen in unseren Hormonhaushalt eingreifen. Seit einiger Zeit ist es in der EU in Babyartikeln, wie z.B. Flaschen verboten (Quelle: http://www.bund.net/bisphenol-a). Die Zahnbürsten von HYDROPHIL sind zudem noch vegan und wasserneutral produziert. Auf der Homepage findet ihr noch weitere interessante Produkte, wie Zahnpasta (allerdings leider noch in einer Plastiktube).
Mehr dazu findet ihr unter http://www.hydrophil.biz

Ich habe mich für eine 100% kompostierbare Zahnbürste von SIDCO entschieden. Auch die Borsten bestehen nämlich aus Bambusviskose (Viskose ist auch nicht ganz unproblematisch und eigentlich kein Naturprodukt mehr sondern mit Chemikalien vollgepumpt. Da es mir jedoch erstmal um die Kompostierbarkeit ging, habe ich mich dennoch für diese Zahnbürste entschieden) . Doch wo kommt der Bambus eigentlich her? Laut Homepage stammt er aus „nachhaltigem Anbau, nicht aus Panda-Wohnräumen oder gefährdeten Gebieten“ (Quelle: http://www.sidco.de/Bambus-Zahnbuersten). Die Zahnbürsten gibt es mit verschiedenen Farbmarkierungen.
Mehr dazu unter http://www.sidco.de

 

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Zahnpasta ohne Plastiktube…
…gibt es nicht! Auch HYDROPHIL schreibt auf der Homepage, dass sie noch keine Alternative gefunden haben und immer noch auf der Suche nach einer plastikfreien Tube sind. Da bleibt in dem Falle nur Selbermachen übrig. Ich habe einige Erfahrungsberichte gelesen und meine eigene Zahnpasta angerührt. Und das geht so:

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  • 4 EL natives, kaltgepresstes Kokosöl
  • 3 EL Natron zum Backen
  • einige wenige (!) Tropfen Bio-Pfefferminzöl je nach Geschmack
    (ACHTUNG! Nicht zu viel! Denn ätherische Öle können wohl bei manchen Menschen Kopfschmerzen, Übelkeit und/oder andere Nebenwirkungen auslösen. In meiner ersten Mischung hatte ich auch viel zu viel Pfefferminzöl und musste es wieder mit Kokosöl strecken. Genaue Angaben wie viel ätherisches Öl richtig ist, sind sehr verwirrend und von der Grundmenge an Koksöl abhängig. Ich werde auf jeden Fall nicht mehr als 2 Tropfen für diese Menge in Zukunft verwenden.)

Das Kokosöl im Wasserbad einfach schmelzen lassen und dann mit dem Natron und Pfefferminzöl vermischen. Es dauert einige Zeit bis die Zahnpasta fest wird. Währenddessen immer wieder umrühren, damit es homogen bleibt.

Die fertige Zahnpasta dann noch einmal Abschmecken und ggf. noch ein paar Tropfen Pfefferminzöl hinzugeben. Anschließend einfach in ein Glasgefäß umfüllen und ausprobieren!

Ein neues Putzgefühl?
Ein richtiges Fazit kann ich noch nicht ziehen, da ich mir erst zweimal inzwischen mit der Bambus-Zahnbürste und der Zahnpasta die Zähne geputzt habe. Allerdings kann ich sagen, dass es am Anfang ein bisschen komisch war, da die Zahnbürste natürlich ein wenig nach Holz schmeckt. Ungewohnt ist es auch, dass die Zahncreme natürlich nicht schäumt. Ich denke aber, dass ich mich schnell daran gewöhne, denn nach dem Putzen hat man auf jeden Fall ein sauberes und frisches Gefühl im Mund. Ein erster Schritt Richtung plastikfreies Bad ist bei mir also getan. Zumindest bei der Zahnpflege, denn die sieht bei mir jetzt so aus: 0 Plastik, yeah!

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