Bioplastik – Fluch oder Segen?

Zur Zeit habe ich den Eindruck, dass man einfach ein Bio-Präfix irgendwo vorhängt und schon wird davon ausgegangen, dass es die Bio-Öko-Alternativler mit gutem Gewissen kaufen. Scheint wohl eine (gut?) zu funktionierende Marketing-Strategie zu sein, die jetzt auch bis zum Plastik vorgedrungen ist. Moment mal. Bio und Plastik? Schließt sich das nicht aus?

Seit Beginn der Semesterferien ist mir aufgefallen, dass die schneeweißen Plastiklöffel und -gabeln in den Uni-Cafés durch hellbraune ersetzt wurden. Beim näheren Hinsehen bestätigte sich mein Verdacht. Das Bio-Plastik hat nun auch meine Uni erobert. Toll, wie fortschrittlich! Gegen diese Plastikbesteck-Verschwendung muss auch mal endlich was getan werden! Vielleicht denken sich das viele (umweltbewusste?) Studierende, wenn sie in Zukunft mit der braunen Gabel ihren Kuchen essen. Aber ist Bioplastik wirklich das Allheilmittel für unser Plastikproblem?

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Dazu muss man erstmal wissen, was Bio-Plastik denn von dem „herkömmlichen“ Plastik unterscheidet. Die Bezeichnung „bio“ kann zweierlei bedeuten: Entweder das Präfix steht dafür, dass das Plastik aus nachwachsenden Rohstoffen, wie z.B. Mais- oder Kartoffelstärke besteht. Allerdings enthalten die Bio-Kunststoffe wohl auch immer noch einen erheblichen Anteil an Erdöl (30-50%). Oder aber „bio“ steht dafür, dass es biologisch kompostierbar ist. Das Umweltbundesamt merkt dazu an: „Nicht jeder Kunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen ist biologisch abbaubar. Genauso sind nicht alle biologisch abbaubaren Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt.“

Ich habe mich ein bisschen durch den Bezeichnungs-Dschungel gelesen und bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich Bioplastik (im Moment) als nicht unterstützenswert beurteile und deshalb auch diese Kunststoffart „fasten“ oder vermeiden werde. Warum? Darum:

1. Allgemein wird es meiner Meinung/Erfahrung nach nicht ausreichend gekennzeichnet, was für „Plastik“ man da nun in den Händen hält. So weiß man als Verbraucher nicht, ob das nun in den gelben Sack kommt oder in den Bio-Müll/Kompost oder Restmüll.
2. Allerdings darf Bioplastik auch oft nicht in die Biotonne, da es zu langsam verrottet. Zur Eigenkompostierung sind diese Kunststoffe deshalb meist nicht geeignet, sondern nur für die industrielle Kompostierung, die unter bestimmten Bedingungen stattfindet, die im eigenen Garten nicht möglich sind (hohe Temperatur und Luftfeuchtigkeit). Nach der EU Norm 13432 gelten Kunststoffe als kompostierbar, wenn nach drei Monaten industrieller Kompostierung nur höchstens zehn Prozent des Produkts größer als zwei Millimeter sind.
3. Bei diesem Bioplastik werden neben Erdöl, auch nachwachsende Rohstoffe benutzt, was zumindest vom Gedanke her ein Pluspunkt ist. Es gibt ja nicht nur Bioplastik aus Holz, sondern auch aus Kartoffeln, Mais, etc… Aber auch der MASSEN-Anbau von diesen Pflanzen ist umweltschädigend und steht in Konkurrenz zum Lebensmittelanbau. Schon beim Biosprit gab es darüber ja einige Diskussionen.
4. Im gelben Sack würden sie die Aufbereitung der anderen Kunststoff stören und im Biomüll würde die Verrottungszeit nicht reichen. Deshalb gehört Bio-Plastik eigentlich in den Restmüll.  Allerdings sei die klassische Abfallentsorgung und ihre Sortiermaschinen noch nicht wirklich auf Bioplastik eingestellt. So wird dann Bioplastik meist nur ganz normal wie der restliche Müll verbrannt.

Zurück zum neuen Kaffee-Löffel
Ich habe mal auf der Hersteller-Seite und in dessen Katalog gestöbert, um herauszufinden um welche Art von Bio-Plastik es sich bei dem neuen Besteck nun handelt. Auf der Homepage von bioeinweggeschirr.de findet man alle Produkte, u.a. auch dieses „naturesse“-Besteck. Leider konnte ich durch die Fotos nicht erkennen, ob es sich um das „beige“ Besteck oder das „braune“ handelt. Je nachdem sind die Inhaltsstoffe nämlich anders:
Das braune Besteck besteht aus Zellulose, Stärke und einer Kalksteinmischung. Immerhin sollen die nachwachsenden Ressourcen, wie z.B. Holz, aus nachhaltigem Anbau kommen. Das beige Besteck besteht aus CPLA (modifizierte Polymilchsäure), wird wie das braune auch als vollständig biologisch abbaubar deklariert, sodass man es angeblich in der Bio-Tonne entsorgen kann. Schön und gut, aber auf dem Campus gibt es nur teilweise Biotonnen, meistens nicht direkt in den Cafés, dort wird oft nur zwischen Restmüll und gelber Sack getrennt. Folglich landet eh das meiste entweder im Restmüll oder im gelben Sack. Die meisten Studis wissen wahrscheinlich gar nicht, dass sie das neue Besteck woanders entsorgen sollten, das kriegt man nur raus, wenn man die Symbole auf der Rückseite deuten kann. Hinweisschilder wurden diesbezüglich auch nicht angebracht.
Somit wird das neue, biologisch abbaubare Besteck meistens eh nicht kompostiert. Da dachte sich das Studentenwerk wohl, es würde was Gutes für die Umwelt tun, dabei sollte man allerdings auch ein bisschen weiter denken, zumindest bis zur Entsorgung.

Weitere Infos dazu gibt es z.B. hier:
http://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/461/publikationen/3986.pdf
http://www.bund.net/fileadmin/bundnet/pdfs/chemie/20110126_abfall_biokunststoffe_stellungnahme.pdf
http://www.umweltbundesamt.de/themen/tueten-aus-bioplastik-sind-keine-alternative

Eine kleine Zusammenfassung findet man beim NDR (für die gestressten, die nicht so viel Zeit haben oder denen die chemischen Bezeichnungen zu kompliziert sind 😉 ) http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/45_min/rueckschau/Bioplastik-eine-Mogelpackung,bioplastik101.html

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