Bioplastik – Fluch oder Segen?

Zur Zeit habe ich den Eindruck, dass man einfach ein Bio-Präfix irgendwo vorhängt und schon wird davon ausgegangen, dass es die Bio-Öko-Alternativler mit gutem Gewissen kaufen. Scheint wohl eine (gut?) zu funktionierende Marketing-Strategie zu sein, die jetzt auch bis zum Plastik vorgedrungen ist. Moment mal. Bio und Plastik? Schließt sich das nicht aus?

Seit Beginn der Semesterferien ist mir aufgefallen, dass die schneeweißen Plastiklöffel und -gabeln in den Uni-Cafés durch hellbraune ersetzt wurden. Beim näheren Hinsehen bestätigte sich mein Verdacht. Das Bio-Plastik hat nun auch meine Uni erobert. Toll, wie fortschrittlich! Gegen diese Plastikbesteck-Verschwendung muss auch mal endlich was getan werden! Vielleicht denken sich das viele (umweltbewusste?) Studierende, wenn sie in Zukunft mit der braunen Gabel ihren Kuchen essen. Aber ist Bioplastik wirklich das Allheilmittel für unser Plastikproblem?

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Dazu muss man erstmal wissen, was Bio-Plastik denn von dem „herkömmlichen“ Plastik unterscheidet. Die Bezeichnung „bio“ kann zweierlei bedeuten: Entweder das Präfix steht dafür, dass das Plastik aus nachwachsenden Rohstoffen, wie z.B. Mais- oder Kartoffelstärke besteht. Allerdings enthalten die Bio-Kunststoffe wohl auch immer noch einen erheblichen Anteil an Erdöl (30-50%). Oder aber „bio“ steht dafür, dass es biologisch kompostierbar ist. Das Umweltbundesamt merkt dazu an: „Nicht jeder Kunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen ist biologisch abbaubar. Genauso sind nicht alle biologisch abbaubaren Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt.“

Ich habe mich ein bisschen durch den Bezeichnungs-Dschungel gelesen und bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich Bioplastik (im Moment) als nicht unterstützenswert beurteile und deshalb auch diese Kunststoffart „fasten“ oder vermeiden werde. Warum? Darum:

1. Allgemein wird es meiner Meinung/Erfahrung nach nicht ausreichend gekennzeichnet, was für „Plastik“ man da nun in den Händen hält. So weiß man als Verbraucher nicht, ob das nun in den gelben Sack kommt oder in den Bio-Müll/Kompost oder Restmüll.
2. Allerdings darf Bioplastik auch oft nicht in die Biotonne, da es zu langsam verrottet. Zur Eigenkompostierung sind diese Kunststoffe deshalb meist nicht geeignet, sondern nur für die industrielle Kompostierung, die unter bestimmten Bedingungen stattfindet, die im eigenen Garten nicht möglich sind (hohe Temperatur und Luftfeuchtigkeit). Nach der EU Norm 13432 gelten Kunststoffe als kompostierbar, wenn nach drei Monaten industrieller Kompostierung nur höchstens zehn Prozent des Produkts größer als zwei Millimeter sind.
3. Bei diesem Bioplastik werden neben Erdöl, auch nachwachsende Rohstoffe benutzt, was zumindest vom Gedanke her ein Pluspunkt ist. Es gibt ja nicht nur Bioplastik aus Holz, sondern auch aus Kartoffeln, Mais, etc… Aber auch der MASSEN-Anbau von diesen Pflanzen ist umweltschädigend und steht in Konkurrenz zum Lebensmittelanbau. Schon beim Biosprit gab es darüber ja einige Diskussionen.
4. Im gelben Sack würden sie die Aufbereitung der anderen Kunststoff stören und im Biomüll würde die Verrottungszeit nicht reichen. Deshalb gehört Bio-Plastik eigentlich in den Restmüll.  Allerdings sei die klassische Abfallentsorgung und ihre Sortiermaschinen noch nicht wirklich auf Bioplastik eingestellt. So wird dann Bioplastik meist nur ganz normal wie der restliche Müll verbrannt.

Zurück zum neuen Kaffee-Löffel
Ich habe mal auf der Hersteller-Seite und in dessen Katalog gestöbert, um herauszufinden um welche Art von Bio-Plastik es sich bei dem neuen Besteck nun handelt. Auf der Homepage von bioeinweggeschirr.de findet man alle Produkte, u.a. auch dieses „naturesse“-Besteck. Leider konnte ich durch die Fotos nicht erkennen, ob es sich um das „beige“ Besteck oder das „braune“ handelt. Je nachdem sind die Inhaltsstoffe nämlich anders:
Das braune Besteck besteht aus Zellulose, Stärke und einer Kalksteinmischung. Immerhin sollen die nachwachsenden Ressourcen, wie z.B. Holz, aus nachhaltigem Anbau kommen. Das beige Besteck besteht aus CPLA (modifizierte Polymilchsäure), wird wie das braune auch als vollständig biologisch abbaubar deklariert, sodass man es angeblich in der Bio-Tonne entsorgen kann. Schön und gut, aber auf dem Campus gibt es nur teilweise Biotonnen, meistens nicht direkt in den Cafés, dort wird oft nur zwischen Restmüll und gelber Sack getrennt. Folglich landet eh das meiste entweder im Restmüll oder im gelben Sack. Die meisten Studis wissen wahrscheinlich gar nicht, dass sie das neue Besteck woanders entsorgen sollten, das kriegt man nur raus, wenn man die Symbole auf der Rückseite deuten kann. Hinweisschilder wurden diesbezüglich auch nicht angebracht.
Somit wird das neue, biologisch abbaubare Besteck meistens eh nicht kompostiert. Da dachte sich das Studentenwerk wohl, es würde was Gutes für die Umwelt tun, dabei sollte man allerdings auch ein bisschen weiter denken, zumindest bis zur Entsorgung.

Weitere Infos dazu gibt es z.B. hier:
http://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/461/publikationen/3986.pdf
http://www.bund.net/fileadmin/bundnet/pdfs/chemie/20110126_abfall_biokunststoffe_stellungnahme.pdf
http://www.umweltbundesamt.de/themen/tueten-aus-bioplastik-sind-keine-alternative

Eine kleine Zusammenfassung findet man beim NDR (für die gestressten, die nicht so viel Zeit haben oder denen die chemischen Bezeichnungen zu kompliziert sind 😉 ) http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/45_min/rueckschau/Bioplastik-eine-Mogelpackung,bioplastik101.html

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Warum Plastik fasten? Plastikmüll

Mit diesem Post möchte ich eine kleine Artikel-Reihe starten, in der ich näher auf die verschiedenen Gründe eingehe, warum ich mich dieses Jahr dazu entschieden habe  Plastik zu fasten.

Mein persönlicher Anstoß ist wohl auch gleichzeitig der offensichtlichste Grund. Seit ich vor fast 4 Jahren von zu Hause ausgezogen bin, habe ich mich jedes Mal erschrocken, wenn mein Plastikmüll schon wieder voll war. In meinem gelben Sack befanden sich hauptsächlich: Joghurt-Becher (VIELE Joghurtbecher), Konservendosen, Plastikfolien und -tüten von Obst oder Gemüseverpackungen, diverse Plastikverpackungen von Müsli, Nüssen, Trockenfrüchten oder Käse, Kaffee-Pads, Milchtüten, Alu- und Frischhaltefolie. Ab und zu kam Creme-, Duschgel-, Shampoo- oder andere Pflegeproduktbehälter, sowie diverses Verpackungsmaterial von Bestellungen, wie z.B. Luftpolsterfolie hinzu. Auch wenn ich wahrscheinlich einen recht durchschnittlichen Plastikverbrauch hatte, kam mir das tierisch viel vor, besonders wenn ich mir vorstellte, dass JEDER Mensch Plastik konsumiert und wegwirft. Überall auf dieser Welt begegnet einem Plastik, mal im oder neben dem Mülleimer…

RHODOS STADT

Müll auf Rhodos…

MD RiS

…in Paris…

MARSEILLE

…in Marseille…

VIENNE

…und in Vienne (Frankreich).


Plastik-Entsorgung in Deutschland
Doch was passiert mit dem ganzen Plastik, nachdem wir uns davon „befreit“ haben?Allgemein muss man natürlich sagen, dass die Kunststoff-Entsorgung in jedem Land anders aussieht. Es gibt ja alleine schon sehr unterschiedliche Mülltrennungssysteme oder auch Länder, in denen es das gar nicht gibt und noch nicht mal allgemein eine vernünftige Müll-Entsorgung gewährleistet ist. Die Verwertungsquote in Deutschland ist sehr hoch: Laut Umweltbundesamt wurden 2013 in Deutschland 99% der Kunststoffabfälle verwertet.
Kunststoffe werden
– werk- und rohstofflich genutzt (d.h. der Kunststoff wurde in seine Bestandteile aufgespalten)
– in Müllverbrennungsanlagen energetisch genutzt
– auf Deponien gelagert
Allerdings wird allgemein viiiiiiiel weniger Plastikmüll aus unseren privaten Haushalten recycelt, als aus dem gewerblichen Gebrauch, da dieser oftmals verschmutzter ist und verschiedene Kunststoffe vermischt werden, wodurch die Qualität herabgesetzt werden würde. Deshalb wurde z.B. auch der Recycling-Code eingeführt (siehe vorheriger Blogpost). Natürlich sind diese ganzen Verwertungsverfahren trotz hoher Verwertungsquote auch ziemliche Umweltsünder. Trotzdem landet auch immer mehr Plastikmüll in der Natur und stellt schon heute eine große Umweltbelastung dar.

Plastik ist überall…
…nicht nur angeschwemmt oder feingemahlen als „Sandkörner“ zwischen den Zehen an „Paradiesstränden“, sondern auch im Gebüsch und auf der Wiese vor unserer Haustür.

MD

Wir haben unseren Müll natürlich wieder mitgenommen! 😉

…im Meer.
„Insgesamt 80 Prozent des Kunststoffmülls, die UNO spricht von weltweit jährlich rund 6 Millionen Tonnen, gelangen über Flüsse in die Ozeane.“ (Quelle: http://www.plastic-planet.de/hintergrund_plastikalsproblem.html) Nicht nur große Teile schwimmen in unseren Ozeanen herum und bilden gigantische Plastikstrudel, sondern auch Mikroplastik stellt ein riesiges Problem dar. Mikroplastik sind kleine Plastikteilchen, die z.B. von Kosmetika oder Kunststofffasern aus Kleidung, die sich beim Waschen herauslösen, stammen. Sicherlich habt ihr schon einmal von den gigantischen Plastikstrudeln gehört, der bekannteste unter ihnen ist der Great Pacific Garage Patch im Nordpazifik zwischen Nordamerika und Asien. Insgesamt gibt es fünf solcher Müllstrudel. Man darf sich das ganze anscheinend nicht wie ein riesiger schwimmender Müllteppich vorstellen. Denn da sich das meiste unter der Wasseroberfläche befindet, ist der Müll von oben nicht zu sehen.

…in den Fischen.
Mikroplastik und Plastik-Kleinteile sind besonders gefährlich für Fische, da sie diese wie Plankton aufnehmen. Fische und auch andere Tiere, wie z.B. Seevögel können durch Plastik im Bauch elendig verenden. In dem Film „Plastic Planet„, den ich jedem nur ans Herz legen kann, wird außerdem darüber berichtet, dass es immer mehr Intersex-Fische gibt. Das liegt z.B. am gelösten Bisphenol-A, da es eine ähnliche Wirkung wie das weibliche Hormon Östrogen hat (BPA hat bei Experimenten auch weiblichen Schnecken mit Penissen ausgestattet). Wer schonmal etwas über die Nahrungskette gehört hat und wenn die Tiere nicht vorher daran sterben, kann sich vorstellen, wo das Plastik letztendlich landet. Richtig:

…in uns Menschen.
Wenn wir z.B. Fisch essen, nehmen wir das Plastik wieder in uns auf. Guten Appetit, wohl bekomm’s, lasst’s euch schmecken bei eurer nächsten Fischmahlzeit! 😉

Was tun?
Zunächst einmal weiteren Plastikmüll vermeiden, der in die Meere gelangen kann! 😉 Es gibt auch einige tolle Projekte, die sich diesem Umweltproblem angenommen haben. Beispielsweise bietet Ecover ein Handspülmittel an, dass „immerhin“ zu 10% aus Ocean Plastic und zu 90% aus recyceltem Plastik besteht. Auf der Ecover-Homepage findet man noch mehr zu dem Projekt und auch eine kurze Doku zu diesem Thema.
Das Projekt „The Ocean Cleanup“ wurde von dem 21-Jährigen Boyan Slat (Also keine Ausreden mehr, man sei zu jung um was zu verändern und die Welt zu retten!!!) ins Leben gerufen. Er hat eine Technologie entwickelt, die hoffentlich ab 2020 dem Great Pacific Garage Patch auf die Pelle rückt. Innerhalb von schon 10 Jahren soll so die Hälfte des Müllstrudels entfernt worden sein! I’ll definitely stay tuned!

Quellen und weiterführende Infos zum Plastikmeer:
http://www.plasticgarbageproject.org/de/plastikmuell/probleme/plastikmuellstrudel/
http://www.bund.net/themen_und_projekte/meeresschutz/belastungen/muell/
http://globalmagazin.com/themen/natur/weltkarten-verteilung-des-plastikmuells-im-meer/
http://www.wwf.de/themen-projekte/meere-kuesten/unsere-ozeane-versinken-im-plastikmuell/
http://www.plastic-planet.de/hintergrund_plastikalsproblem.html
https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/meere/muellkippe-meer/16805.html

20 Tage #Plastikfasten

Die Hälfte der Fastenzeit ist rum (schon!?!?) und damit höchste Zeit mal ein kleines Fazit zu ziehen.
Zwar steht das Wort im Blogtitel, aber bei meinem Leben von Plastikfreiheit zu sprechen, wäre dann doch übertrieben. Ich würde inzwischen eher sagen, dass ich plastikarm lebe. Aber zugegebenermaßen klingt Plastikarmut als Blogtitel ziemlich bescheuert. Die Leser, die durch den Titel mit anderen Hoffnungen auf meinen Blog stoßen, muss ich dann im Laufe der Zeit wohl oder übel desillusionieren. Sorry schonmal im Voraus! Allgemein kann man sein Leben nicht von heute auf morgen auf komplett plastikfrei umkrempeln. Ich sehe das vielmehr als Prozess an dessen Anfang erst einmal ein Bewusstsein über den eigenen Plastikkonsum entwickelt werden muss. Erst dann ist es möglich, sich über Alternativen zu informieren und Hintergrundinfos zu recherchieren um sich dann einen Schritt in Richtung Plastikfreiheit zu bewegen! 🙂 Dies ist wohl eine nie endende Entwicklung, da man sich immer verbessern kann und auch im Laufe der Zeit wohl immer mehr Infos über das Risiko und die Gefahr von Plastik erforscht werden wird. Ok, Zeit also für eine kleine Halbzeit-Bilanz.

Plastikfrei
Es gibt trotzdem noch einige Bereiche in meinem Leben, die ich durchaus und mit gutem Gewissen als plastikfrei deklarieren kann. Dazu gehört allgemein Essen. Nicht die Zubereitung (da ich immer noch Plastik-Küchenutensilien habe), sondern vielmehr die Lebensmittel an sich. Ich schaffe es immer, wirklich immer, ohne Plastik nach dem Einkaufen nach Hause zu kommen. Und das, obwohl ich immer noch zu meinen gleichen Standard-Supermärkten gehe, nur einmal bis jetzt auf dem Markt war und ich den Bioladen nur für ganz spezielle Dinge aufsuche.
Meine Haarwäsche ist ebenfalls plastikfrei (abgesehen von dem Plastikdeckel des Bio-Apfelessigs) und zum Duschen und Waschen nehme ich nur noch Kernseife. Die Umstellung viel mir sehr leicht, da ich ja schon vor der Plastikzeit auf No Poo umgestiegen bin.

Plastikarm
In einigen Bereichen, habe ich es nicht geschafft auf 100% Plastikfreiheit umzusteigen. Dazu gehört u.a. die Zahnpflege. Richtig, die war eigentlich mal plastikfrei, dank  selbstgemachter Zahnpasta. Die habe ich jedoch nach ein paar Anwendungen leider wieder in die Ecke stellen müssen. Ich gehöre wohl zu den Menschen, die auf ätherische Öle mit Kopfschmerzen reagieren (zumal ich beim ersten Versuch das Öl viiiiiel zu hoch dosiert habe, also aufpassen!) und ich keine Lust hatte dreimal am Tag einen dröhnenden Schädel zu bekommen. Die Bambus-Zahnbürste ist allerdings noch in aktiver Benutzung, wenn auch mit herkömmlicher Zahnpasta. Eventuell werde ich mir demnächst mal Zahnpasta-Tabletten bestellen, auf die mich jemand hier in den Kommentaren freundlicherweise drauf hingewiesen hat! 😉
Die Waschnüsse kamen ja wie berichtet leider in Plastik verpackt an. Diesen Müll konnte ich vorher nicht erahnen, sonst hätte ich ihn vermeiden können. Waschen ist also auch noch nicht 100% plastikfrei.
Schon seit mehreren Jahren benutze ich das Geschirrspülmittel von Ecover. Ich finde es ist total angenehm auf der Haut und das Konzept dieser nachhaltigen Öko-Firma finde ich super! Die Verpackung besteht immerhin zum Teil aus recyceltem Plastik, manchmal auch aus Ocean Plastik und aber leider auch aus Bio-Kunststoff (der ist auch nicht ganz ohne, da schreibe ich später mal mehr zu). Im Moment benutze ich noch Einmal-Spüllappen oder Schwämme, die werde ich jedoch nach und nach durch waschbare Tücher ersetzen.

Plastikreich
Weiterhin plastikreich sind die Bereiche, die ich schon unter den „Regeln“ erläutert habe. Einige Dinge habe ich damals jedoch vergessen aufzuführen, so wie z.B. Klopapier, das es nur in Plastikverpackungen zu kaufen gibt. Inzwischen gibt es aber bei Naturlieferant.de plastikfreies Toilettenpapier zum Bestellen! 1 Box mit 24 Rollen kostet 39,90€ plus 6,90€ Versand. Das klingt erstmal viel, allerdings hat eine Rolle Klopapier rund 700 Blatt und dementsprechend hält sich so eine Box auch lange! Ich hab mich dennoch dagegen entschieden, da ich keine Lagermöglichkeit für so viel Klopapier habe und bis zum meinem Umzug wahrscheinlich nicht alles aufbrauchen würde. Dennoch ist dies auf jeden Fall eine tolle und im Moment wohl die einzige Möglichkeit an plastikfreies Toilettenpapier ranzukommen!
Ein weiterer hoher Plastikfaktor: Taschentücher. Bis jetzt war ich zwar nicht krank, aber gegen die laufende Nase beim Laufen (haha), stecke ich doch immer ein Papier-Taschentuch ein. Mit der Idee, mir wie meine Oma mit Stofftaschentüchern die Nase zu putzen und die Popelrotzschleudern dann wieder in die Tasche zu stecken, konnte ich mich noch nicht anfreunden. Trotzdem bin ich immer wieder erstaunt, wie „öko“ doch die früheren Generationen in mancher Hinsicht waren.
Außerdem benutze ich nach wie vor Plastikbehälter als Aufbewahrungsboxen zum Einfrieren oder für unterwegs. Dennoch hat mir der Film „Plastic Planet“ mal wieder die Gesundheitsrisiken vor Augen geführt und mir den Appetit auf das „Plastik-Essen“ daraus eher verdorben. Deshalb hebe ich auch immer wieder praktische Gläser auf. Denn Glas kann nicht nur recycelt werden, sondern eignet sich auch zum Upcycling! 🙂

Haben Sie Allergien oder andere Unverträglichkeiten? – Ja, ich habe eine starke Allergie gegen Kunststoff entwickelt.
Manchmal habe ich inzwischen den Eindruck, ich reagiere schon fast allergisch auf Plastik. Besonders wenn ich zu Hause oder bei anderen bin, da ich dann ja mein Plastikfasten quasi „aussetze“. In diesen Momenten wird mir immer sehr bewusst, wie sehr Plastik eigentlich unseren Alltag bestimmt. Neulich stand ich im Rewe vor der Bio-Gemüseabteilung, überall schimmert und knistert es! Da war doch wirklich KEINE EINZIGE Gemüsesorte ohne Plastikverpackung zu finden. Gruselig! Bäh! Ih! Allgemein habe ich mich also komplett daran gewöhnt einen großen Bogen um Plastik zu machen. Je länger ich nun diese Grundeinstellung habe, desto selbstverständlicher wird es für mich und desto unverständlicher finde ich den unbedachten, unreflektierten Plastikkonsum meiner Mitmenschen. (Nein, ich verurteile niemanden. Ihr Plastikschleudern! Und ich versuche auch niemanden zu missionieren. Amen. 😀 )

So zum Schluss zeige ich euch, den Plastikmüll, den ich trotz des #Plastikfastens verursacht habe:

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Darunter befindet sich:
– Plastikverpackung von Toilettenpapier
– Knitterfolie aus dem Umschlag, in dem die Zahnbürsten geliefert wurden
– Plastik-Etikett von einem Pesto-Glas, dass ich zum Aufbewahren „upgecycelt“ habe
– Plastikverpackung der Waschnüsse
– Plastikverpackung einer Binde

„One small step for a man, one giant leap for mankind“
Ich kann nicht genau sagen, wie oft ich vorher meinen Plastikmüll (ca. 35L) leeren musste, aber vom Gefühl her würde ich sagen, dass er auf jeden Fall nach 20 Tagen voll war. Deshalb bin ich wirklich erstaunt, mit wie wenigen „Eingriffen“ ich meinen Plastikmüll drastisch reduzieren konnte! Wenn nur jeder Mensch auf dieser Welt ein bisschen mehr auf seinen Plastikkonsum achten würde, dann wäre unserer Erde und den nachfolgenden Generationen schon viel geholfen…

Was ist eigentlich dieses Plastik?

Vorweg: Ich bin keine Chemie-Expertin und habe Chemie in der Schule mit Freude nach der 10. Klasse abgewählt. Ich habe mich einfach anhand mehrere Quellen informiert und versuche deshalb, die Informationen so runtergebrochen wiederzugeben, dass jede und jeder sie verstehen kann. Seht mir also nach, wenn ich hier nicht irgendwelche komplizierten chemischen Vorgänge in Fachbegriffen erkläre (was ich eh gar nicht könnte). Wer also als totaler Chemie-Crack sehr gravierende Fehler in meinen Ausführungen feststellt, der kann mich gerne in den Kommentaren freundlich darauf hinweisen, dann werde ich diesen Post entsprechend ändern…

Was ist eigentlich dieses Plastik!?
Der Begriff „Plastik“ (oder auch „Plaste“ in den östlichen Gebieten Deutschlands 😉 ) ist zunächst ein Obergriff für viele verschiedene Kunststoffarten. Diese wissenschaftliche Bezeichnung verweist schon darauf, dass dieser Stoff „künstlich“ ist und nicht in der Natur vorkommt. Für sogenannte synthetische Kunststoffe ist Erdöl (nicht umsonst auch „schwarzes Gold“ genannt, ist schließlich auch eine knappe Ressource, die irgendwann zur Neige geht) der Ausgangsstoff, dem noch diverse Zusatzstoffe, wie Flammschutzmittel oder Weichmacher (klingt nicht nur eklig, ist es auch!) hinzugefügt werden. Diese verleihen dem Kunststoff die gewünschten Eigenschaften, wie z.B. Hitzebeständigkeit oder Biegsamkeit. Je nachdem ob man eben eine harte Tupperdose oder Frischhaltefolie herstellen möchte. Diese Zusatzstoffe sind in ihrer Reinform oft sehr giftig, sind aber ungefährlich, solange sie im Kunststoff gebunden sind. Zunächst entsteht dann ein Kunststoff-Granulat, dass von der Chemie-Industrie dann an die Verarbeitungsfirmen geliefert wird, wo dann aus dem Granulat durch verschiedene Verfahren die unterschiedlichsten Dinge entstehen können.

Der Recycling-Code
Vielleicht habt ihr euch schon immer mal gefragt, was dieses Dreieck mit den Pfeilen und der Zahl bedeutet, das man auf vielen Plastik-Verpackungen findet? Auf den meisten Kunststoffen kann man diesen Recycling-Code finden und daran erkennen um welchen Kunststoff es sich handelt.

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Die Recyclingcodes findet man z.B. unter einer Aufbewahrungsbox…

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…und auch unter Joghurtbechern.

Die Zahlen bzw. Buchstabenkombinationen stehen für verschiedene Kunststoffe. PP weist auf Polypropylen hin, Recyclingcode 6 oder PS auf Polystyrol. Eine genaue Auflistung der verschiedenen Abkürzungen und Codes, sowie der Stoffeigenschaften und eventuelle Entsorgungsschwierigkeiten findet man z.B. auf der Homepage der Verbraucherzentrale oder vom BUND. Die Recyclingcodes gibt es übrigens nicht nur für Kunststoffe, sondern auch für beispielsweise Glas oder Pappe.

Vorteile!?
Bei all der Plastik-Negativität darf man allerdings nicht vergessen, dass Kunststoff einige Vorteile bietet und die Entwicklung unseres technischen Fortschritts erheblich voran gebracht hat. Autos würden ohne Kunststoffe beispielsweise viel schwerer sein und dementsprechend mehr Kraftstoff verbrauchen. Allgemein ist das Argument des Gewichts im Moment bestimmt das überzeugendste für viele Menschen. Wer schleppt sich schon gern mit Glasgefäßen und Glasflasche ab, wenn man das ganze auch leichter haben kann? Hoffentlich mehr als ich mir im Moment vorstellen kann. 😉

Warum Plastik fasten?
Die Antwort scheint auf der Hand zu liegen: Weil Plastik schlecht/böse/auf jeden Fall nicht gut ist! Jaaaaa, eifriges Kopfnicken meinerseits. Aber was genau ist denn schlecht/böse/auf jeden Fall nicht gut daran? Meine Antwort würde den Rahmen eines einzigen Blogposts auf jeden Fall sprengen, deshalb eröffne ich hiermit eine kleine Artikel-Reihe zum Thema „Warum eigentlich Plastik fasten?“ in der ich meine Gründe für das #Plastikfasten erläutere. 🙂