Waschnüsse im Test

Laut dem Umweltbundesamt wird in Deutschland jedes Jahr 630.000 Tonnen Waschmittel verbraucht. Das bedeutet, dass im Schnitt jede*r Deutsche*r 8 kg Waschmittel jährlich benötigt. Auf diese Menge komme ich aber bei Weitem nicht. Meine letzte Flasche Flüssigwaschmittel (1,5L) hat bei mir 1 Jahr lang gehalten. Allerdings habe ich auch herausgefunden, dass  Flüssigwaschmittel besonders umweltschädlich sein sollen.
Natürlich fällt bei Waschmittel nicht so viel Plastikmüll an wie z.B. bei Shampoo oder Duschgel. Auch Nachfüllbehälter sind eine gute nachhaltigere Alternative bei Waschmitteln, wenn man die Möglichkeit zum Auffüllen hat. Trotzdem ist Waschmittel auch im Allgemeinen sehr umweltbelastend. Zum Einen sei in diesem Zuge der hohe Wasserverbrauch und die hohen Energiekosten (v.a. beim Trockner) erwähnt, zum Anderen enthalten sie natürlich viele Chemikalien, die nicht oder nur schwer abbaubar sind und sich so über Umwege in Gewässern anreichern und Organismen schädigen können (http://www.umweltbundesamt.de/themen/chemikalien/wasch-reinigungsmittel/umweltbewusst-waschen-reinigen). Die besonders umweltbelastenden Weichspüler habe ich persönlich eh noch nie benutzt. Auf der Suche nach plastikfreien und umweltfreundlicheren Alternativen, bin ich irgendwann auf Waschnüsse gestoßen.

Warum heißen Waschnüsse, Waschnüsse?
Waschnüsse sind die Früchte des Seifenbaums und kommen aus Indien und Nepal. Sie enthalten Saponin, das eine natürliche Fettlösekraft ähnlich wie Seife hat. Besonders Allergiker, die chemisches Waschmittel nicht vertragen, sollen wohl mit Waschnüssen gut zurechtkommen. Angeblich soll man nicht nur Wäsche damit waschen können, sondern man kann die Waschnüsse auch als Allzweckreiniger verarbeiten, Haare damit waschen (das werde ich bestimmt mal testen :D) oder zur Körperpflege verwenden. (Quelle: http://bund-sachsen-anhalt.de/?id=632)

Die Nuss im Schleudergang
Wie das Waschen mit den Waschnüssen funktioniert, ist auf dem Beutel erklärt und ist eigentlich recht simpel:
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Doch Waschen mit Waschnüssen ist kein Allheilmittel. Wenn alle anfangen würden mit Waschnüssen ihre Wäsche zu waschen, hätte man schon mal ein echtes Ressourcenproblem…

Pro Waschnüsse
1. Für 1kg Waschnüsse habe ich 13,99€ bezahlt. Da man pro Waschgang nur 4-6 Nusshälften (je nach Wasserhärte) benötigt, hält sich so ein Sack entsprechend lang. Waschnüsse sind somit billiger als herkömmliche Waschmittel. 
2. Waschnüsse sind außerdem umweltfreundlich, ganz im Gegensatz zu den herkömmlichen Chemiebomben, denn die Nüsse können nach dem Waschgang kompostiert werden.
3. Waschnüsse stinken. Und das sage nicht nur ich, mit meiner feinen und empfindlichen Nase, sondern auch viele Testberichte, die man im Internet so findet. Warum ist das jetzt ein Vorteil? 😀 Keine Angst, die Wäsche stinkt nach dem Waschen keinesfalls! 😉 Sie ist duftneutral, also riecht nicht künstlich/chemisch sondern nach frisch gewaschener Wäsche, was mir persönlich sehr gut gefällt.

Contra Waschnüsse
1.
Die Waschnüsse von Salveo sind nicht plastikfrei. Der Beutel war von außen in Plastik eingepackt und auch im Leinensäckchen sind die Waschnüsse an sich noch einmal in einem wiederverschließbaren Plastikbeutel verpackt, vermutlich wegen des Geruchs. Deutlicher Minuspunkt also.


2. Ich habe die Waschnüsse damals über Amazon bestellt. Ja, ich weiß, Amazon ist nicht sonderlich unterstützenswert, Stichwort Arbeitsbedingungen und Lieferungswege. Deshalb auch hier Abzüge. Im Nachhinein habe ich Waschnüsse auch im Bio-Laden entdeckt, leider zu spät. Die hatten nämlich nur eine Plastikverpackung und haben natürlich eine bessere Co2-Bilanz als Internetbestellungen, ABER…
3. …natürlich kommen aber auch diese Waschnüsse aus Indien und haben also einen langen Importweg hinter sich.
4. In einigen Berichten, wie z.B. in diesem hier (allerdings schon von 2008) habe ich gelesen, dass das steigende Interesse an Waschnüssen in Europa und Amerika die Preise in Indien in die Höhe schnellen lies, sodass sich inzwischen der*die durchschnittliche Inder*in  dieses „Öko-Produkt“ nicht mehr leisten kann und auf chemisches Waschmittel zurückgreift. Außerdem haben auch in Indien die meisten eine Waschmaschine und greifen somit eher zu industriellen und aggressiveren Mitteln.

Und in puncto Sauberkeit?
In einigen Testberichten viel die Waschleistung bei Flecken wohl als unzureichend aus. Da kann ich leider nicht mit Erfahrungswerten dienen, da meine Wäsche selten stark verschmutzt oder fleckig ist (komischerweise kleckere ich sowieso immer nur, wenn ich zu Hause bei meinen Eltern bin – Zufall!? :D). Dementsprechend war ich mit der Waschleistung vollkommen zufrieden. Die Wäsche riecht frisch gewaschen und sauber, aber eben nicht nach irgendwelchen künstlichen pinken Blumen/weißer Lilie/Sommerwiese oder *hier beliebigen poetischen Namen einsetzen*. Für hartnäckige Flecken könnte man evtl. auf Gallseife zurückgreifen. Die ist jedoch meistens nicht vegetarisch oder gar vegan, da sie aus Rindergalle hergestellt wird und außerdem oft Palmöl enthält (warum Palmöl problematisch ist? HIER findest du mehr Infos.)

Waschnüsse – Fluch und Segen zugleich!?
Ich muss schon zugeben, dass ich von den Waschnüssen EIGENTLICH sehr begeistert war nach vier Waschgängen. Richtig, eigentlich. Und dieses „eigentlich“, bedingt durch die vielen Nachteile, lastet dann doch etwas auf meiner Öko-Seele. Ich denke nicht, dass ich mir eine neue Packung Waschnüsse kaufen würde, wenn meine irgendwann mal leer sein sollte. Diese jetzt zu verschenken oder gar wegzuwerfen, wäre meiner Meinung nach aber auch totale Verschwendung! Ich werde mich also bis dahin nach anderen Alternativen umsehen. Angeblich soll man auch mit Efeu oder einem Kastanien-Sud waschen können. Zumindest klingt das vielversprechend, Efeu und Kastanien wachsen schließlich hier in Deutschland und gehören zu keiner knappen Ressource. Dazu später eventuell mehr.
Über weitere Anregungen und Tipps wäre ich sehr dankbar! 🙂

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