Plastikfreie Zahnpflege

Der Titel lässt es erahnen, natürlich kommt auch unsere alltägliche, mehrmalige Zahnpflege nicht ohne Plastik aus. Zahnpastatuben, Zahnbürsten, Putzbecher. Alles aus Plastik! Unsere Vorfahren kamen natürlich ganz ohne Zahnbürsten aus. Das heißt aber noch lange nicht, dass wir das heutzutage auch noch können, denn unsere Nahrung ist inzwischen viel zucker- und säurehaltiger und das macht Zahnpflege somit nötig.

Welche plastikfreien Alternativen gibt es also?
Nach einigen Recherchen bin ich auf verschiedene Anbieter von Bambus-Zahnbürsten gekommen. Bambus ist ein schnell wachsender Rohstoff, der biologisch abbaubar ist. Das wasserliebende Hamburger Unternehmen HYDROPHIL stellt Bambus-Zahnbürsten mit Nylon-Borsten her. Also nur der Stiel ist zu 100% kompostierbar. Allerdings sind die Borsten BPA-frei. BPA oder Bisphenol A ist ein Hormon, dass zur Herstellung von Kunststoff benötigt wird und in vielen Alltagsgegenständen zu finden ist. BPA kann sich aus Produkten lösen und schon in winzigen Mengen in unseren Hormonhaushalt eingreifen. Seit einiger Zeit ist es in der EU in Babyartikeln, wie z.B. Flaschen verboten (Quelle: http://www.bund.net/bisphenol-a). Die Zahnbürsten von HYDROPHIL sind zudem noch vegan und wasserneutral produziert. Auf der Homepage findet ihr noch weitere interessante Produkte, wie Zahnpasta (allerdings leider noch in einer Plastiktube).
Mehr dazu findet ihr unter http://www.hydrophil.biz

Ich habe mich für eine 100% kompostierbare Zahnbürste von SIDCO entschieden. Auch die Borsten bestehen nämlich aus Bambusviskose (Viskose ist auch nicht ganz unproblematisch und eigentlich kein Naturprodukt mehr sondern mit Chemikalien vollgepumpt. Da es mir jedoch erstmal um die Kompostierbarkeit ging, habe ich mich dennoch für diese Zahnbürste entschieden) . Doch wo kommt der Bambus eigentlich her? Laut Homepage stammt er aus „nachhaltigem Anbau, nicht aus Panda-Wohnräumen oder gefährdeten Gebieten“ (Quelle: http://www.sidco.de/Bambus-Zahnbuersten). Die Zahnbürsten gibt es mit verschiedenen Farbmarkierungen.
Mehr dazu unter http://www.sidco.de

 

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Zahnpasta ohne Plastiktube…
…gibt es nicht! Auch HYDROPHIL schreibt auf der Homepage, dass sie noch keine Alternative gefunden haben und immer noch auf der Suche nach einer plastikfreien Tube sind. Da bleibt in dem Falle nur Selbermachen übrig. Ich habe einige Erfahrungsberichte gelesen und meine eigene Zahnpasta angerührt. Und das geht so:

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  • 4 EL natives, kaltgepresstes Kokosöl
  • 3 EL Natron zum Backen
  • einige wenige (!) Tropfen Bio-Pfefferminzöl je nach Geschmack
    (ACHTUNG! Nicht zu viel! Denn ätherische Öle können wohl bei manchen Menschen Kopfschmerzen, Übelkeit und/oder andere Nebenwirkungen auslösen. In meiner ersten Mischung hatte ich auch viel zu viel Pfefferminzöl und musste es wieder mit Kokosöl strecken. Genaue Angaben wie viel ätherisches Öl richtig ist, sind sehr verwirrend und von der Grundmenge an Koksöl abhängig. Ich werde auf jeden Fall nicht mehr als 2 Tropfen für diese Menge in Zukunft verwenden.)

Das Kokosöl im Wasserbad einfach schmelzen lassen und dann mit dem Natron und Pfefferminzöl vermischen. Es dauert einige Zeit bis die Zahnpasta fest wird. Währenddessen immer wieder umrühren, damit es homogen bleibt.

Die fertige Zahnpasta dann noch einmal Abschmecken und ggf. noch ein paar Tropfen Pfefferminzöl hinzugeben. Anschließend einfach in ein Glasgefäß umfüllen und ausprobieren!

Ein neues Putzgefühl?
Ein richtiges Fazit kann ich noch nicht ziehen, da ich mir erst zweimal inzwischen mit der Bambus-Zahnbürste und der Zahnpasta die Zähne geputzt habe. Allerdings kann ich sagen, dass es am Anfang ein bisschen komisch war, da die Zahnbürste natürlich ein wenig nach Holz schmeckt. Ungewohnt ist es auch, dass die Zahncreme natürlich nicht schäumt. Ich denke aber, dass ich mich schnell daran gewöhne, denn nach dem Putzen hat man auf jeden Fall ein sauberes und frisches Gefühl im Mund. Ein erster Schritt Richtung plastikfreies Bad ist bei mir also getan. Zumindest bei der Zahnpflege, denn die sieht bei mir jetzt so aus: 0 Plastik, yeah!

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7 Kommentare

  1. cao · Februar 12, 2016

    ich verwende eine zahnbürste aus miswakholz. also der griff ist biologisch abbaubar und die austauschbaren ‚köpfchen‘ sind aus dem miswakholzbaum. zahnpasta kann man verwenden, muss man aber nicht. denn das miswakholz selbst enthält viele wertvolle inhaltsstoffe, welche antibakteriell, adstringierend, reinigend, zahnschmelzhärtend usw. wirken.

    ist am anfang etwas gewöhnungsbedürftig aber ich bin sehr zufrieden und kann mir „normales“ zähneputzen nicht mehr vorstellen!

    bei weiterem interesse einfach ’swak shop‘ in die suchmaschine eingeben 😉
    greets cao

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    • plastikfreiheit · Februar 13, 2016

      Wie aufregend – der erste Kommentar hier auf meinem Blog!!! Danke dafür! 😉
      Davon habe ich auch schon gehört! Klingt sehr spannend! Vielleicht werde ich das nach der Bambus-Zahnbürste mal ausprobieren! 🙂

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  2. Daniel · Februar 20, 2016

    Bambusviskose mag zwar umweltfreundlich klingen, die Herstellung ist es allerdings ganz und gar nicht. Zuerst wird aus dem Bambus der Zellstoff (hauptsächlich Cellulose) gewonnen, aus dem dann im weiteren Verlauf die Fasern gesponnen werden.
    Der Zellstoff wird mit dann Natronlauge behandelt, um die Molekülketten zu verkürzen und den Zellstoff aufquellen zu lassen. Dann wird bei der sogenannten Xanthogenierung Schwefelkohlenstoff verwendet, um die Cellulosemoleküle so zu verändern, dass sie in Natronlauge löslich sind.
    Die Moleküle müssen für den Spinnprozess in Natronlauge gelöst sein. Beim Ausspinnen wird Schwefelsäure mit Natriumsulfat und Zinksulfat verwendet, um die Natronlauge zu neutralisieren und schließlich die feste Faser zu erhalten.
    Das Problem an dem Verfahren, dass während des gesamten Prozesses Nebenprodukte entstehen. Gerade Schwefelkohlenstoff ist sehr giftig. Die Rückgewinnung der Schadstoffe ist teuer und der Viskoseprozess alles andere als umweltfreundlich.

    Wenn man auf Definitionen herumhacken wollte, wäre Viskose strenggenommen auch Plastik im Sinne eines Polymers. Obwohl es nicht aus Erdöl hergestellt wird, besteht die Faser auch aus langen Makromolekülen. Ist aber im Grunde egal weil es nur um Begrifflichkeiten geht.

    Was ich noch interessant fände: Wie nimmst du trotz selbstgemachter Zahnpasta die für die Zähne verdammt wichtigen Flouride auf? Übers Salz?

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    • plastikfreiheit · Februar 21, 2016

      Hallo Daniel,
      danke für deinen Kommentar, er zeigt mal wieder, dass man die Augen immer und überall offen halten muss.
      Zu der Bambusviskose: Ja, du hast Rest und ich weiß, dass es auch da einen Haken gibt. So genau chemisch korrekt hätte ich das nicht erklären können, aber ich habe eben abwägen müssen: Biologisch abbaubar oder 100 % gesund. Ich denke es gibt immer entweder auf gesundheitlicher oder ökologischer/umweltbewusster Seite etwas auszusetzen. Leider, denn unsere Welt ist eben wirklich „ungesund“ geworden. Es gibt aus der Miswak-Wurzel auch eine Zahnbürste (https://swak.de/miswak.htm). Genauer hab ich mich damit nicht beschäftigt, deshalb hab ich darüber nicht geschrieben. Auch da weiß ich nicht genau, wo die Pflanze angebaut wird, dementsprechend ist natürlich auch der ökologische Fußabdruck größer…:( Beim Plastikfasten kommt man irgendwann immer in ein Dilemma, da werde ich auch noch einmal drüber schreiben. Es ist halt immer eher ein Abwägen von Vor-/Nachtteilen…
      Zu den Begrifflichkeiten: Ich kenne mich da chemisch augenscheinlich nicht so gut aus wie du, deshalb danke für die Aufklärung. Aber es geht hier nicht um Begrifflichkeitsdogmen. Ich benutze z.B. auch weiterhin Tupperware oder Ähnliches, was ja auch Plastik ist, aber eben wiederverwendet wird…
      Zur Zahnpasta: Naja, also über Fluoride denken viele Menschen ja sehr unterschiedlich… 😉 Ich hab mir da noch keine fundierte Meinung bilden können, ob ich sie als „verdammt wichtig“ oder als eher schädlich ansehe. Ich schaue mal, wie es meinen Zähnen nach den 40 Tagen geht, dann muss ich eh mal wieder zum Zahnarzt! 😉

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  3. Klein Pip · Februar 21, 2016

    Hi! Ich verwende ebenfalls die Sidco-Bürsten und bin ganz zufrieden damit. Ich bin selber auch keine Chemikerin und kann nicht exakt beschreiben, wie Bambusviskose produziert wird, aber mein Bauchgefühl kann sich damit eher anfreunden als mit dem „Nylon 4“ der Hydrophil-Bürsten.
    Ich habe mir bei monomeer.de übrigens Zahnputztabletten in einer Papiertüte bestellt, die gibt es wahlweise mit und ohne Fluorid.
    Viele Grüße,
    Pip

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    • plastikfreiheit · Februar 21, 2016

      Ja, da ging es mir ähnlich wie dir. Manchmal kann man quasi nur zwischen „Pest“ und „Cholera“ wählen…zumindest hab ich manchmal so das Gefühl.
      Das mit den Zahnputztabletten klingt super spannend! Die werde ich mir mal ansehen. Weißt du Näheres zu den Inhaltsstoffen? Hast du sie mit oder ohne Fluorid? 🙂

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      • Klein Pip · Februar 21, 2016

        Die Inhaltsstoffe stehen bei monomeer auf der Homepage. Die Putzwirkung erfolgt wohl hauptsächlich über Zellulosefasern.
        Ich hab die mit Fluorid, bin aber nicht ganz sicher, was ich davon halte. Die einen sagen so, die anderen so.

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